Einführung

Brasilien und Wasser

– Ressourcenkonflikte und die Auflösung der Grenzen von Natur und Kultur? –

Interdisziplinäre Tagung der Arbeitsgruppe Brasilien der ADLAF-Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerikaforschung | 04.-05.12.2015 | Universität Hamburg

„O sertão vai virar mar
Dói no coração
O medo que algum dia
O mar também vire sertão.“

„Der Sertão verwandelt sich in Meer
Es schmerzt im Herzen die Angst,
dass eines Tages auch
das Meer sich in Sertão verwandle.“
(aus Sá e Guarabyra: „Sobradinho“, 1977)

Die Beschäftigung mit Wasser in Kunst und Philosophie reicht weit zurück. Das für das (menschliche) Leben zentrale Element wurde bereits in der griechischen Philosophie der Antike in der „Vier-Elemente- Lehre” beschrieben und häufig als Gottheit dargestellt. Auch in der brasilianischen Kunst und Literatur hat die Beschäftigung mit den überbordenden Wasservorkommen, ihrer ungleichen Verteilung und den periodischen Dürren im Land Tradition. Man denke beispielsweise an Gracilano Ramos’ Vidas secas, Raquel de Queiroz’ O quinze, Euclides da Cunhas Os sertões, Guimarães Rosas Grande Sertão Veredas oder an oben zitiertes Lied aus dem Jahre 1977, das die Folgen der Ableitung des Flusses São Francisco anprangert.

Brasilien ist das Land mit dem größten Süßwasservorkommen weltweit. Trotzdem sind derzeit fast 40% der Bevölkerung, rund 77 Millionen Brasilianer_innen, von der aktuellen Wasserkrise betroffen. Die Brisanz des Themas zeigt sich in der schwersten Dürreperiode seit 80 Jahren, die im brasilianischen Südosten zur Rationierung von Trinkwasser zwingt. Dabei hatte eine Studie der staatlichen Wasseragentur Agência Nacional de Águas schon 2013 genau dies vorhergesagt: dass nämlich 16 der 29 urbanen Ballungszentren nach neuen Wasserquellen suchen müssten, um die Wasserversorgung bis 2015 gewährleisten zu können. Ähnlich wie auch in Kalifornien wird deswegen nun die Bevölkerung zum Wassersparen aufgerufen – was absurd anmutet angesichts des Sachverhaltes, dass in Brasilien rund 72% des Wasserverbrauchs auf das Konto der exportorientierten Agrarindustrie gehen. Hinzu kommen die massive Abholzung der Regenwälder und des cerrado, Missmanagement und Ineffizienz der Wasserversorgung,  marode  Infrastruktur,  eine  ressourcenverschlingende  ‘Green  Economy’  sowie verfehlte Umweltpolitiken und andere Ressourcenkonflikte.

Die Tagung setzt sich mit diesen aktuellen, gesellschaftspolitischen Fragen genauso auseinander, wie mit ihren Niederschlägen in Kunst und Philosophie. Uns interessieren dabei vor allem folgende Fragen: Welche Ursachen hat die aktuelle Krise? Inwiefern war sie vorhersehbar? Welche Lösungsansätze und Utopien gibt es? Wie können gesellschaftliche Naturverhältnisse aussehen? Inwieweit wird die Dichotomie zwischen Natur und Kultur über den Umgang mit den Ressourcen aufgelöst? Und wie schlägt sich dies alles in der Kunst nieder? „Dói no coração o medo que algum dia o mar também vire sertão….“.

Wir freuen uns, dass Prof. Dr. Erik Swyngedouw (University of Manchester) die Tagung als einer der bedeutendsten Geographen mit einem Vortrag zum Thema “Liquid Power” eröffnen wird.

Offizielle Sprachen der Tagung:
Portugiesisch, Spanisch und Englisch

Organisation:
Prof. Dr. Markus Klaus Schäffauer | Institut für Romanistik der Universität Hamburg
Dr. Tobias Schmitt | Institut für Geographie der Universität Hamburg
Dr. des. Júlio César Moreira Matias | Institut für Romanistik der Universität Hamburg
Dr. Gilberto Rescher | Lateinamerika-Zentrum der Universität Hamburg
M.A. Yôko Woldering | Institut für Romanistik der Universität Hamburg
——
Prof. Dr. Markus K. Schäffauer
– Vorsitzender der AG Brasilien der ADLAF –
Institut für Romanistik der Universität Hamburg
Von-Melle-Park 6
20146 Hamburg

Organisation:
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